Gelebte Praxis des Leitbilds „Gemeinsam.Vielfalt“

von: VKI-MG e. V.

Die Bundesnetzwerktagung „GLEICH teilhaben“ in Mönchengladbach fand am 12.11.25 statt.

Lokale Integrationsinfrastrukturen im Fokus

Am Mittwoch, den 12. November 2025, fand im Ernst-Cristoffel-Haus in Mönchengladbach die Bundesnetzwerktagung des Projekts GLEICH teilhaben statt. Unter dem Titel „Lokale Integrationsinfrastrukturen – Fokus Mönchengladbach“ kamen Vertreter*innen migrantischer Selbstorganisationen, Wohlfahrtsverbände, der kommunalen Verwaltung sowie Gäste aus Politik und Zivilgesellschaft zusammen, um gemeinsam über gelingende Teilhabe, nachhaltige Strukturen und lokale Verantwortungsgemeinschaften zu diskutieren.

Zur Tagung lud unsere GLEICH teilhaben-Koordination Fatma Ar (VKI e. V. Mönchengladbach) ein. Es nahmen aus dem Bundesverband außerdem Leyla Serghini (MORGEN e. V. München), Eva Laufer (BiM e. V. Reutlingen), Aleksandra Dillmann (NDMO e. V. Düsseldorf), Elaine Yousef (VMDO e. V. Dortmund), Lamine Conté (Haus Africa e. V. Saarbrücken) sowie Mustafa Birhimeoglu (NRW-Landesverband migrantischer Organisationen) teil. Für den Bundesverband NeMO begleiteten Jenny Warnecke und Andrés Otálvaro als Leitungsteam die Tagung.

Seitens der Stadt Mönchengladbach und der lokalen Fachstrukturen brachten sich Anne Zervos (Abteilungsleitung Geflüchtetenhilfen und stellv. Fachbereichsleitung Soziales), Jürgen Fischer (Leitung Kommunales Integrationszentrum), Manuela Franken (KIM – Strategisches Overhead und Kommunales Integrationsmanagement), Hanife Yildirim (Integrationsrat Mönchengladbach), Sevilay Heggen-Karaca (AWO – Beratung für ältere Menschen mit Migrationsgeschichte) sowie Helmut Thommessen (Leitung Integrationsagentur AWO) aktiv in die Diskussionen ein.

Gemeinsam Vielfalt gestalten – starke lokale Partnerschaften

Im ersten Teil der Tagung wurde das Zusammenspiel von migrantischen Selbstorganisationen, Wohlfahrtsverbänden und kommunaler Verwaltung in Mönchengladbach beleuchtet. Fatma Ar, Mitgründerin des VKI e. V. und Koordinatorin des Interkulturellen Netzwerks Alter, Pflege und Demenz, zeigte eindrücklich auf, wie seit 2018 tragfähige Netzwerke aufgebaut wurden, um Barrieren für migrantische Communities – insbesondere für ältere Menschen – abzubauen. Projekte wie GLEICH teilhaben, samo.fa haben Kapazitäten für die Gründund des Netzwerks Alter, Pflege und Demenz ermöglicht. Die viersprachigen Angebote rund um das Thema „Pflege“ wurden als Beispiele für gelingende, praxisnahe Zusammenarbeit vorgestellt.

Anne Zervos unterstrich, dass das städtische Leitbild „Gemeinsam Vielfalt“ Grundlage der täglichen Arbeit im Fachbereich Soziales und Wohnen ist. Integration werde in Mönchengladbach als langfristige Aufgabe verstanden, die weit über formale Zuständigkeiten hinausgeht und aktive Begleitung sowie enge Kooperation mit migrantischen Organisationen erfordert.

Auch Jürgen Fischer und Manuela Franken betonten die Bedeutung migrantischer Selbstorganisationen als Brückenbauer zu den Communities. Ohne ihre Expertise, Reichweite und Vertrauensbasis seien viele Angebote des Kommunalen Integrationszentrums und des Kommunalen Integrationsmanagements nicht denkbar.
Das Modell der Lokalen Integrationsinfrastruktur wurde von den städtischen Mitarbeitenden und den Akteur:innen aus dem „Interkulturellen Netzwerk Alter, Pflege & Demenz“ mit Interesse in Augenschein genommen.

Bundesweite Perspektiven und Modellcharakter

Die Stimmen aus anderen Städten – darunter Leyla Serghini, Elaine Yousef, Aleksandra Dillmann, Eva Laufer, Lamine Conté und Mustafa Birhimeoglu – bestätigten den besonderen Charakter der Mönchengladbacher Strukturen. Einigkeit bestand darin, dass GLEICH teilhaben als würdiger Nachfolger von samo.fa gilt und besonders vulnerable Zielgruppen erreicht: ältere Migrant*innen, Frauen mit Fluchterfahrungen, Menschen mit Behinderungen sowie sozial benachteiligte Drittstaatsangehörige.

Andrés Otálvaro hob hervor, dass Mönchengladbach beispielhaft zeige, wie lokale Integrationsinfrastruktur durch Kooperation, gegenseitiges Vertrauen und politische Rückendeckung dauerhaft gestärkt werden kann.

Aufsuchend, mehrsprachig, vernetzt – Antworten auf die Bedarfe älterer Migrant*innen

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Projekt BäM – Beratung für ältere Menschen mit Migrationsgeschichte, vorgestellt von Sevilay Heggen-Karaca. Das Projekt, getragen von mehreren Wohlfahrtsverbänden, setzt auf aufsuchende, mehrsprachige und kultursensible Beratung und schließt eine zentrale Versorgungslücke für die älter werdende Generation der sogenannten Gastarbeiter*innen und Zugewanderten.

Helmut Thommessen ergänzte, dass der Erfolg von BäM auf einer langen gemeinsamen Vorarbeit beruht – von Bedarfsanalysen über politische Abstimmungen bis hin zur engen Einbindung der Communities. Trotz finanzieller Einschränkungen gilt das Projekt als wichtiger Baustein der lokalen Integrations- und Altenhilfestruktur.

Nachhaltigkeit, Beteiligung und gemeinsame Verantwortung

In der abschließenden Diskussion zu Nachhaltigkeit und Zusammenarbeit wurde deutlich, dass erfolgreiche Projekte langfristige Strukturen benötigen. Fatma Ar, Mustafa Birhimeoglu, Eva Laufer und Elaine Yousef machten auf die Herausforderungen befristeter Projektfinanzierungen und Arbeitsverträge aufmerksam und warben für mehr strukturelle Förderung und politische Anerkennung migrantischer Organisationen.

Hanife Yildirim betonte die Rolle des Integrationsrates – künftig Ausschuss für Chancengleichheit und Integration – als Brücke zwischen Verwaltung, Politik und migrantischen Communities. Integration müsse als Querschnittsaufgabe in allen Fachbereichen verankert werden.

Am 13.11. haben sich die bundesweit angereisten Koordinator:innen im Rathaus von Mönchengladbach getroffen, um die Bundesdialogtagung des Vortags zu besprechen. Das neue Format als Expert:innen mit Vertreter:innen einer Kommune in den direkten Austausch zu gehen wurde aus überaus positiv bewertet. Desweiteren haben wir über die Typologisierungen der migrantischen Verbünde (nach dem Modell von Jenny Warnecke) zu sprechen und eine kritische Selbsteinschätzung vorzunehmen. Auch in Hinblick auf die eigene Platzierung innerhalb der Kommunalen Integrationsinfrastrukturen und auf die Entwicklung der eigenen Verbünde nach nunmehr zehn Jahren. 

Fazit

Die Bundesnetzwerktagung in Mönchengladbach machte deutlich: Hier existiert eine außergewöhnlich enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Kommune, Wohlfahrtsverbänden und migrantischen Selbstorganisationen. Mönchengladbach wird bundesweit als Modellkommune wahrgenommen, in der Teilhabe nicht nur diskutiert, sondern gemeinsam gestaltet wird. Die Tagung setzte wichtige Impulse für die Weiterentwicklung lokaler Integrationsinfrastrukturen – in Mönchengladbach und weit darüber hinaus. Die Bundesnetzwerktagung in Mönchengladbach zeigte eindrucksvoll, was möglich ist, wenn „Gemeinsam Vielfalt“ nicht nur Leitbild, sondern gelebte Praxis ist. Sie setzte wichtige Impulse für die Weiterentwicklung lokaler Integrationsinfrastrukturen – in Mönchengladbach und darüber hinaus.

Foto: VKI-MG
vlnr: Dr. Jenny Warnecke (Leitungsteam GLEICH teilhaben), Hanife Yildirim (Integrationsrat Mönchengladbach), Anne Zervos (Stadt MG, Abteilungsleitung Geflüchtetenhilfen & stellv. Fachbereichsleitung Soziales), Brigitte Schulz (ehrenamtlich Aktive VKI), Manuela Franken (KIM MG), Elaine Yousef (Gt-Koordination VMDO), Sevilay Heggen-Karaca (Projektmitarbeiterin  Beratung für ältere Menschen mit MHG), Jürgen Fischer (Leitung Kommunales Integrationsmanagement Mönchengladbach), Fatma Ar (Gt-Koordination VKI- MG), Mohammed (Musiker), Laila Serghini (Gt-Koordination Morgen e.V. München), Lamine Conte (Haus Afrika Saarbrücken), Mustafa Birhimeoglu (NRW-Landesverband), Vorständin VKI-MG, Eva Laufer (Bim e.V. Reutlingen), Aleksandra Dillmann (NDMO e.V. Düsseldorf) und Dr. Andrés Otálvaro.

Verband für Kulturen & Integration in Mönchengladbach e.V.

Der VKI-MG e.V. ist der Mitgliedsverband in der Region Mönchengladbach. Gegründet Ende Januar 2018 von 10 Gründungsmitgliedern, heute (Stand August 22) 16 Mitglieder. Die Mitgliedsorganisationen vertreten Menschen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Aserbaidschan, den MAGHREB-Staaten, Türkei, Palästina, aus den Ländern Westafrikas, Kongo und aus Osteuropa. Im Fokus stehen vor allem Projekte mit Kindern und Jugendlichen und deren Familien, aber auch Projekte und Unterstützung zur kulturellen Integration.

zur Homepage