Integration gemeinsam gestalten: Kommunale Verantwortung und migrantische Perspektiven im Dialog

von: Afropa e. V.

Rückblick auf das Arbeitsgespräch „Der lokal-kommunale Raum für Integration“
am 11. Dezember in Dresden.

Am 11. Dezember fand in Dresden beim Verbund Afropa e.V. ein intensives und erkenntnisreiches Arbeitsgespräch im Rahmen des Projekts GLEICH teilhaben statt. Trotz der terminlich herausfordernden Adventszeit kamen zahlreiche ausgewiesene Expertinnen und Experten aus Migrant*innenorganisationen, kommunalen Verwaltungen, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammen. Die große Beteiligung und die hohe fachliche Dichte unterstrichen eindrucksvoll die Relevanz des Themas: die Weiterentwicklung lokal-kommunaler Integrationsinfrastrukturen und die nachhaltige Verankerung migrantischer Organisationen als gleichwertige Akteure.

Ein gemeinsamer Perspektivwechsel

Ausgehend von den Erfahrungen des BV NeMO seit 2016 – zunächst im Projekt samo.fa und seit 2023 im Projekt GLEICH teilhaben – stand das Arbeitsgespräch bewusst unter einem Perspektivwechsel. Nicht der Beitrag migrantischer Organisationen allein, sondern die Frage nach den kommunalen Rahmenbedingungen, Strukturen und Prozessen rückte in den Mittelpunkt:
Wie müssen lokal-kommunale Integrationsinfrastrukturen gestaltet sein, damit das Engagement migrantischer Organisationen wirksam, dauerhaft und auf Augenhöhe eingebunden werden kann?

Impulse aus vorangegangenen Konferenzen und Fachbesuchen in Mönchengladbach, Dortmund, Halle und Nürnberg bildeten hierfür eine wichtige Grundlage. Die dort entwickelten Strukturbilder dienten in Dresden als Diskussionsinstrument, um Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Entwicklungstypen kommunaler Integrationslandschaften sichtbar zu machen.

Fundierte Impulse und lebendige Debatten

In der ersten inhaltlichen Phase diskutierten Vertreter*innen aus Wissenschaft, nämlich Katharina Euler aus Hildesheim und Denis Zeković vom Projekt REFRAME der Technischen Universität Chemnitz, der Kommune Dresden mit Herrn Philipp Schäfer, der Abteilungsleiter aus dem Sozialamt und die Integrations- und Gleichstellungsbeauftragte Frau Kristina Winkler und migrantischen Koordinator*innen von GLEICH teilhaben die Bedeutung, Entwicklung und aktuellen Herausforderungen lokal-kommunaler Integrationsarbeit. Besonders gewinnbringend war dabei der offene Austausch über Stärken und Defizite bestehender Strukturen sowie über die Rolle migrantischer Organisationen innerhalb dieser komplexen Infrastrukturen.

Die anschließende Auseinandersetzung mit den „Überlegungen in 10 Punkten“ – unter anderem zur Unverzichtbarkeit migrantischer Organisationen, zur Notwendigkeit wechselseitiger Annäherung und zu Kooperationskorridoren – zeigte deutlich:
Es besteht ein zu diskutierender Konsens über die zentrale Rolle migrantischer Organisationen, zugleich aber auch ein gemeinsames Bewusstsein für bestehende Spannungen, Ressourcenknappheit und strukturelle Ungleichgewichte. Die multiperspektivische Diskussion – kommunal, migrantisch und wissenschaftlich – wurde von den Teilnehmenden als besonderer Mehrwert hervorgehoben.

Dresden als Praxisbeispiel

Ein weiterer Höhepunkt war die Gesprächsrunde „Dresden: ein Beispiel“. Anhand eines gemeinsam entwickelten Strukturbildes wurden Ziele, Steuerungsmechanismen und Kooperationsformen der Integrationsarbeit in der Landeshauptstadt Dresden reflektiert. Die Einblicke in den Aktionsplan Integration, die Rolle der Integrations- und Ausländerbeauftragten sowie die Zusammenarbeit mit migrantischen Organisationen machten deutlich, wie kommunale Integrationspolitik konkret ausgestaltet werden kann – einschließlich ihrer Erfolge und zukünftigen Herausforderungen. Eine eng verzahnt Kommunikation ist die Voraussetzung für das Gelingen.

Gemeinsame Perspektiven für die Zukunft

Im abschließenden Teil richtete sich der Blick nach vorn: auf Kooperationsansätze, Ressourcenfragen und die Notwendigkeit stabiler Strukturen jenseits kurzfristiger Projektförderungen. Die Diskussionen zeigten klar, dass eine moderne, resiliente Integrationsinfrastruktur nur im Zusammenspiel von Kommunen, migrantischen Organisationen, Wohlfahrtsverbänden und Wissenschaft gelingen kann. Die Idee spezifischer Kooperationskorridore und langfristiger finanzieller Absicherung wurde dabei kontrovers, aber konstruktiv diskutiert.

Fazit

Das Arbeitsgespräch in Dresden war geprägt von hoher Fachlichkeit, gegenseitigem Respekt und dem gemeinsamen Willen, Integrationsarbeit weiterzuentwickeln. Die vielfältigen Perspektiven, die Offenheit für kritische Fragen und die Bereitschaft zum Perspektivwechsel machten die Veranstaltung zu einem wichtigen Meilenstein im Projekt GLEICH teilhaben.

Die gewonnenen Impulse fließen in das abschließende Arbeitspapier ein, das allen Teilnehmenden zur Verfügung gestellt wird – als Grundlage für den weiteren Dialog und für eine starke, zukunftsfähige lokal-kommunale Integrationsarbeit.

Afropa e.V., Verein für afrikanisch-europäische Verständigung

Afropa e.V., Verein für afrikanisch-europäische Verständigung, wurde 2003 von in Dresden lebenden Afrikanern und anderen Dresdnern gegründet. Ziel ist es, Menschen unterschiedlicher Herkunft Raum für gemeinsame Aktivität zu geben und die Verständigung zwischen den Kulturen voranzubringen.

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