Bundesnetzwerksitzung in Freiburg

von: Netzwerkbegleitung

Das Projekt GLEICH teilhaben des BV-Nemo e.V. hatte seine Bundesnetzwerksitzung am 21.06.23 in Freiburg. Bei der Sitzung tauschten sich die lokalen Koordinator*innen des Projekts mit Expert*innen aus. Inhalt der Tagung war die Arbeit mit vulnerablen Geflüchteten, deren Schwierigkeiten im Alltag, die rechtliche Einordnung von Vulnerabilität, sowie lösungsorientierte Ansätze. Die Sitzung begann mit einer Einstimmung durch … Weiterlesen …

Das Projekt GLEICH teilhaben des BV-Nemo e.V. hatte seine Bundesnetzwerksitzung am 21.06.23 in Freiburg. Bei der Sitzung tauschten sich die lokalen Koordinator*innen des Projekts mit Expert*innen aus. Inhalt der Tagung war die Arbeit mit vulnerablen Geflüchteten, deren Schwierigkeiten im Alltag, die rechtliche Einordnung von Vulnerabilität, sowie lösungsorientierte Ansätze. Die Sitzung begann mit einer Einstimmung durch das Flucht- und Heimorchester, das eine kreative und lebhafte Atmosphäre schuf.

Weil die Bundesnetzwerksitzung in Freiburg (Breisgau) zu Gast war – und von Ulrich von Kirchbach, Erster Bürgermeister der Stadt auch begrüßt wurde – widmete sich der erste Teil der Sitzung der Arbeit des Projekts GLEICH teilhaben am Beispiel Freiburgs. Sein Träger Fairburg e.V. wurde von Jenny Warnecke – Geschäftsführerin und Koordinatorin des Projekts – vorgestellt. Verschiedene Kooperationspartner*innen kamen dabei zu Wort.

Jazino Zangue vom Verein der Kameruner (A.C.A.F.) berichtete von der Arbeit mit jenen geflüchteten Frauen, deren Lage als besonders verletzlich einzuschätzen ist. Vertrauen ist das, was Migrant*innen-Organisationen einbringen können, damit sich diese Frauen trauen sich zu öffnen. Von daher sind Migrant*innen-Organisationen ganz praktisch die unverzichtbare Aktionsbasis für das Projekt GLEICH teilhaben.

Das wurde insbesondere noch einmal durch den Beitrag von Anne-Cathrine Girondin von der Uni-Frauenklinik deutlich. Sie arbeitet in einem Zentrum für Frauen mit Genitalverstümmelung, das sowohl medizinische als auch sozialtherapeutische Hilfe bietet und gut angenommen wird. Niedrigschwelligkeit und Vertrauen sind vor allem auch hier zentrale Voraussetzungen; stärkere Kooperationen mit Migrant*innen-Organisationen seien sehr wünschenswert. Ganz ähnlich schilderten Kolleginnen von Refugium, dem Zentrum für psychosoziale und medizinische Beratung und Koordinierung für Geflüchtete die Lage: nämlich eine große Gruppe unter den Geflüchteten, die mit erheblichen psychisch-gesundheitlichen Problemen aufgrund der Flucht und ihrer Vor- und Nachgeschichte zu tun haben. Das Zentrum bietet ein umfassendes Beratungsangebot, einschließlich einer Vermittlung von Terminen bei Ärzten. Es wurde sehr deutlich, dass das Projekt GLEICH teilhaben bei seiner lokalen Netzwerkbildung auf die Zusammenarbeit mit medizinischen Fachleuten und solchen Zentren nicht verzichten kann.

Antje Reinhard stellte als Besonderheit das Amts für Migration und Integration, wo sie als Verantwortliche für ehrenamtliches Engagement tätig ist, heraus, das die Integrationsabteilungen und die Ausländerbehörde unter einem Dach verbindet. Dadurch werde die Zusammenarbeit trotz unterschiedlicher Aufgaben und Rechtsgrundlagen erleichtert. Die Bildung und Stabilisierung von Netzwerken werde intensiv gefördert. Schließlich berichteten Jascha Hilkowitz und Ali Sari von der Arbeit des MigrantIinnenbeirats Freiburg, Sie sehen sich vor allem als „Übersetzer“ von Problemlagen und Bedürfnissen aus der Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte in die und zur Kommunalpolitik und erwarten auch vom Ausländeramt, das es stärker im Sinne eines Willkommenszentrums agiert. Integrationsräte und MigrantInnenbeiräte „sitzen“ an einer wichtigen Verbindungsstelle zur kommunalen Politik; die Zusammenarbeit mit ihnen ist für das GLEICH teilhaben – Projekt also ebenfalls wichtig.

Im zweiten Teil der Sitzung ging es mit Hilfe verschiedener Inputs um eine vertiefte Klärung des Verständnisses von Vulnerabilität. Während Uwe Honecker vom Medinetz Freiburg noch einmal sehr konkret die Lage von vulnerablen Gruppen von Geflüchteten zur Sprache brachte, befasste sich Jakob Junghans vom Projekt VULNER vor allem mit zwei Aspekten: mit der rechtlichen Definition von Vulnerabilität und ihrer Zwiespältigkeit zwischen erforderlicher Aufmerksamkeit und Diskriminierung und mit dem Umstand, dass die Art und Weise des Umgangs mit Geflüchteten, wie z.B. ihre lange Verweildauer in Gemeinschaftsunterkünften oder menschenverachtende Abschiebungspraktiken, viele erst vulnerabel macht.

Das Projekt VULNER hat auf europäischer, nationaler und kommunaler Ebene Gesetze durchleuchtet und Rechtspraxis untersucht. Dabei kam es zu dem Ergebnis, dass es keine fest verankerte und einheitliche Definition von Vulnerabilität gäbe. In Deutschland wird allerdings für eine begrenzt definierte Gruppe von besonderer Schutzbedürftigkeit ausgegangen, was jedoch die verschiedenen Gruppen von Vulnerabilität nicht annähernd abdeckt.

Der Zugang zu bestimmten Rechten sei zu dem Besonders schwierig für Menschen, die ohne Papiere nach Deutschland flüchten. Es wurde angeregt, Aufklärung, Workshops und Weiterbildungen zu rechtlichen Rahmenbedingungen anzubieten.

Wiebke Judith von ProAsyl gab im dritten und letzten Teil der Tagung in einem online-Beitrag einen Überblick über das aktuelle und zu erwartende Fluchtgeschehen

Netzwerkbegleitung

Prof. Dr. Ümit Koşan - Projektleitung | Dr. Wilfried Kruse- Wissenschaftliche Leitung | Martina Möller - Netzwerkbegleitung | Dr. Andrés Otálvaro - Netzwerkbegleitung | Dr. Jenny Warnecke - Netzwerkbegleitung | Projektbüro: +49 231 28678-754

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